Zum Hauptinhalt springen

Die Zukunft des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM)

von Laura Einnolf – 15. Januar 2021

Oftmals wird das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) immer noch nicht als Leistungsmanagement und Managementaufgabe begriffen. In der Praxis klaffen Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander. Experten sehen in einem professionell betriebenen BGM ein effektives Führungsinstrument. Muss also die Zukunft des Betrieblichen Gesundheitsmanagements neu gedacht werden?

Die Zukunft des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM)

Die Zukunft des BGM – Auftaktworkshop der CoP

In der Realität werden in Unternehmen oftmals nur unzusammenhängende Einzelmaßnahmen durchgeführt. Der Obstkorb folgt auf die Rückenschule und am Fahrstuhl hängt ein Schild „Nimm doch heute lieber mal die Treppe“. Genau diese Differenz zwischen Anspruch und Wirklichkeit haben Prof. Dr. Arnd Schaff und Prof. Dr. Robert Paust dazu veranlasst, in einem Auftaktworkshop mit anderen Akteuren der Branche über die Zukunft des Betrieblichen Gesundheitsmanagements zu diskutieren. Organisiert über die Gesellschaft für Organisation e.V. (gfo) wurde eine erste Community of Practice (CoP) gegründet.

In digitaler Runde diskutierten die beiden Initiatoren und knapp 40 Teilnehmer:innen über die Vorstellungen gesunder Organisation. Auf der Agenda standen neben zwei Impulsvorträgen von Prof. Dr. Arnd Schaff und Prof. Dr. Robert Paust die Diskussion in drei Arbeitsgruppen und die ersten Ansätze für ein Format der Weiterarbeit im Rahmen der CoP.

BGM als Leistungsmanagement begreifen – Vortrag von Prof. Dr. Arnd Schaff

Arnd Schaff legte seine Sicht auf BGM in einem kompakten zehnminütigen Impulsvortrag dar. Zuerst zeigte er die heutige Ausgangslage des Betrieblichen Gesundheitsmanagements in Deutschland auf. Seiner Ansicht nach befinden sich derzeit viele Unternehmen in einem massiven kulturellen, demographischen und digitalen Wandel mit erheblichen Auswirkungen auf die Gesundheit der Mitarbeiter:innen und den Unternehmenserfolg.

Arnd Schaff ist überzeugt, dass ein ganzheitliches BGM hierfür effektive Lösungsmöglichkeiten bereithält. So führt Gesundheit zu Leistungsbereitschaft und Leistungsbereitschaft zu Leistungsfähigkeit. Leistungsfähigkeit wiederum ist die Voraussetzung für Unternehmenserfolg. Diese Kausalkette ist natürlich nicht 1:1 in beide Richtungen zu denken. Nur weil Mitarbeiter:innen leistungsbereit sind, bedeutet dies nicht, dass sie auch leistungsfähig im Sinne des Unternehmenserfolg sind. Jedoch setzt jeder Unternehmenserfolg leistungsfähige Mitarbeiter:innen voraus.

Die Aufgabe des BGM ist es, die Perspektiven der Mitarbeitenden und des Unternehmens zu verwirklichen.

Gesundheit ist laut Arnd Schaff kein absolut zu erreichender Zustand, sondern ein Fluidum zwischen Krank und Gesund. Die Aufgabe des BGM ist seiner Ansicht nach, die Mitarbeiter:innen auf dem Spektrum mehr in die Richtung „Gesund“ zu bringen. Somit steige auch die Leistungsbereitschaft und der Unternehmenserfolg. Gesundheit müsse aus einer holistischen Sichtweise alle psychischen und physischen Aspekte enthalten.

Kontinuum zwischen Krankheit und Gesundheit

Vorteile für Mitarbeiter:innen:

  • Verbesserung der persönlichen Lebenszufriedenheit
  • Schaffung eines optimalen Lebensumfelds
  • Unterstützung zur Unterhaltung und Verbesserung der Leistungsfähigkeit

Vorteile für Unternehmen:

  • Verbesserung des Unternehmenserfolgs
  • Vollständige Nutzung des Potenzials der Beschäftigten
  • Steigerung der Attraktivität des Unternehmens für Bewerber:innen

Zentrale Wirkungsfelder des BGM

Arnd Schaff identifiziert vier Wirkungsfelder, die besonders zentral sind.

Zentrale Wirkungsfelder des BGM

Im Fazit betont Arnd Schaff, dass BGM in seiner Wirksamkeit meist unterschätzt und so hinsichtlich der Wirkung auf das Leistungsmanagement das Potenzial nicht genutzt werde. Daraus folge, dass BGM sich neu positionieren müsse, um die wirksamen Inhalte auch zielgerichtet einsetzen zu können.

Warum wir über Digitalisierung und! Gesundheit nachdenken sollten – Vortrag von Prof. Dr. Robert Paust

Prof. Dr. Robert Paust betont in seinem Impulsvortrag die immer dynaxischere Welt. Dinaxität bezeichnet das Phänomen, dass die Welt gleichzeitig immer dynamischer und komplexer wird (auch als VUCA bekannt). Für Robert Paust bedeutet dieser Sachverhalt, dass Gesundheit immer mitgedacht werden muss.

Direkt sichtbare Auswirkungen von fehlender Leistungsfähigkeit sind steigende AU-Quoten, vermehrte Frühverrentung und eine hohe Fluktuation. In der Metapher des Eisberges sind dies aber nur einige, wenige Auswirkungen von vielen verdeckten und schon langfristigen Entwicklungen. Diese Spätindikatoren folgen auf Frühindikatoren wie Präsentismus, ein schlechtes Betriebsklima, nachlassende Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft sowie innere Kündigung.

Dies alles sind unmittelbare Folgen von Fehlbelastungen und fehlender Ressourcen der Mitarbeitenden. Deshalb ist es aus Sicht von Robert Paust von zentraler Bedeutung eine gesunde Produktivität herzustellen und Ressourcen bereitzustellen.

Nur ein ganzheitliches BGM kann von Erfolg gekrönt sein

Die Zukunft des Betrieblichen Gesundheitsmanagements – nur Ganzheitliches BGM als Erfolgsfaktor

Die Benennung eines/r BGM-Beauftragten ist oft die Reaktion der Unternehmen, wenn dies erkannt werde. Jedoch helfe das Denken in Silos keinem weiter, so Robert Paust. Maßnahmen wie Resilienz Training, Rückenschule und Autogenes Training könnten sinnvolle Maßnahmen sein, aber nicht als zusammenhangsloser „Blumenstrauß“ von Maßnahmen.

Wichtig sei es, gesunde Produktivitätsorientierung in der DNA des Unternehmens zu verankern. Von der Führungskraft bis zu allen Angestellten müsse ein ganzheitliches BGM etabliert werden, das von nachhaltigem Erfolg gekrönt ist.

Im Fazit macht sich Robert Paust dafür stark, dass Produktivität und Gesundheit bei jeder organisationalen Entscheidung in ihrer Wechselwirkung mitgedacht werden müssen.

BGM als Enabler und die Zukunft der CoP. Diskussion in Arbeitsgruppen

In einem anschließenden, halbstündigen Slot wurde auf Grundlage dieser Gedankenanstöße zu zwei Themengebieten diskutiert, nämlich „BGM als Enabler“ und „wie die CoP weitegführt“ werden soll.

BGM als Enabler

Wie muss sich ein Betriebliches Gesundheitsmanagement verändern/positionieren, um nicht als zusätzliches Cost Center, sondern als Enabler wahrgenommen zu werden? Ist der Name BGM vielleicht schon das erste Problem? Denn die bisherige Differenz von BGM in Wirklichkeit und Theorie hat bei Entscheidern dazu geführt, BGM nicht ernst zu nehmen.

Vielleicht muss hier mit einem neuen Begriff wie „gesunde Organisation“ eine Neubelebung des BGM als positives Leistungsmanagement versucht werden. Die Teilnehmenden diskutierten in dieser Runde sehr lebhaft über zentrale Herausforderungen.

(Wie) soll die CoP weitergeführt werden?

Die Veranstaltung war von den Initiatoren mit dem Zweck veranstaltet worden, eine Community of Practice (CoP) zu gründen. 40 Teilnehmende und eine Menge Gesprächsstoff und Gesprächsbedarf deuten darauf hin, dass die Zusammenarbeit im Rahmen einer CoP weitergeführt werden wird. Vermutlich wird ein Mal pro Quartal ein digitales Treffen der CoP mit noch zu definierendem Namen stattfinden. Zudem werden sich Arbeitsgruppen bilden, die im Rahmen Ihrer Zusammenarbeit öfter zusammenkommen.

Sind Sie ebenfalls interessiert Veränderungen und die Zukunft des Betrieblichen Gesundheitsmanagements zu diskutieren und zu etablieren, dann können sich bei der gfo melden, um über zukünftige Veranstaltungen informiert zu werden.

Fazit: BGM ist vielleicht so aktuell wie nie zuvor

Die Veranstaltung hat gezeigt, dass wesentliche Herausforderungen von Arbeitgeber:innen und Arbeitnehmer:innen mit den Werkzeugen des BGM sinnvoll bearbeitet werden können. Es ist an allen BGM-Experten das BGM als solches zu etablieren, was es ist. Ein Framework für eine positive Produktivität oder wie es Arnd Schaff ausdrückt „BGM ist ein Leistungsmanagement“.

Erfahren Sie in unserer BGM-Beratung, ob Sie Ihr BGM noch besser machen können – kostenlos und unverbindlich!

Bei Fragen rund um das Thema BGM, von der Beratung bis zur Implementierung stehen unsere Fachexperten Ihnen gerne zur Verfügung.

Teilen

Beliebte Beiträge

Magazin – 24. November 2022

BEM-Einladung Muster: Was in Ihrer Einladung zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement stehen muss

Magazin – 25. August 2021

5 Tipps für ein erfolgreiches BEM-Gespräch

Magazin – 28. November 2023

Erfolgreiche TISAX®-Zertifizierung für Saneware

Nach oben