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Psychische Gesundheit und Arbeit. Aktuelle Ergebnisse und Trends.

von Laura Einnolf – 19. März 2021

Psychische Gesundheit rückt seit mehreren Jahren immer mehr in den Fokus eines ganzheitlichen BGM. Digitalisierung und Komplexität sind nur einige Treiber für vermehrte Diagnosen in Bezug auf die psychische Gesundheit. Jedoch muss dies nicht nur als negativer Trend angesehen werden, sondern auch positiv betrachtet werden, dass die Bereitschaft, auch über mentale Gesundheit zu sprechen, gestiegen ist. Es sind somit zwei Trends zu erkennen, die einen vermehrten Fokus auf die psychische Gesundheit der Menschen erklären. In diesem Artikel sollen Entwicklungen und Trends aufgezeigt, die Auswirkungen für Arbeitnehmer:innen und Arbeitgeber:innen dargestellt und mögliche Lösungen präsentiert werden.

Krankschreibungen aufgrund psychischer Diagnosen steigen an

So verzeichnen Krankenkassen im Jahr 2020 eine erneute Zunahme der Krankschreibungen aufgrund psychischer Diagnosen wie Depressionen und Angststörungen (TK, 2020).  

So war laut Techniker Krankenkasse jeder TK-versicherte Erwerbstätige statistisch gesehen im letzten Jahr aufgrund einer psychischen Diagnose durchschnittlich 2,98 Tage krankgeschrieben. Das ist ein erneuter Anstieg gegenüber den Vorjahren, so waren es im Jahr 2019 durchschnittlich 2,89 und 2018 waren es noch 2,77.

Dieser Trend werde jedoch nicht erst seit der Corona Pandemie beobachtet, so TK-Chef Dr. Jens Baas. “Mit einem Anteil von rund 20 Prozent machen die psychischen Diagnosen damit das dritte Jahr in Folge den höchsten Anteil der krankheitsbedingten Fehlzeiten aus – noch vor Rückenbeschwerden und Erkältungskrankheiten“, sagt Dr. Jens Baas. 

Auswirkungen von psychischen Faktoren auf Arbeitnehmer:innen

Ständige Erreichbarkeit, Digitalisierung, Wissensarbeit. Alle diese Worte beschreiben einen Trend, der in den letzten Jahren immer schneller jeden Einzelnen von uns beeinflusst. Zahlen zeigen, dass dies zu Stress und Erschöpfung führt.

Arbeitszeit, Organisation und Führungsverhalten nehmen eine zentrale Rolle ein.

Burnout verursacht durch langanhaltenden Stress

Laut ICD10-Code: Z73 werden Menschen mit der Diagnose Burnout Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung zugeschrieben. Schaut man sich jedoch verschiedene Definitionen von Burnout an, wird man schnell verstehen, dass dies sehr komplex ist. So ist das Burnout-Syndrom für die amerikanische Forscherin Christina Maslach durch drei Hauptkriterien gekennzeichnet.

  • „Emotionale Erschöpfung: Die Person hat das Gefühl, von den Anforderungen des Berufes überfordert zu sein; sie fühlt sich leer und entmutigt.
  • Depersonalisierung (Entfremdung): Die Person hat eine distanzierte und zynische Haltung im Beruf; die Menschen, die ihr im Beruf begegnen, werden zu Objekten.
  • Eingeschränkte Leistungsfähigkeit: Die Person hat das Gefühl, keine Erfolge mehr zu erzielen und keine Verantwortung mehr tragen zu können. Sie zweifelt auch am Sinn der Arbeit.“

Mentaler, emotionaler und körperlicher Stress steht dabei in direkter und indirekter Wechselwirkung mit gesundheitlichen Störungen jeglicher Art und verursacht nicht nur psychische Störungen, sondern auch weitere Krankheiten. So beziehen Schaufeli und Enzmann bei ihrer Weiterentwicklung der Definition auch physische Symptome mit ein. 

Doch wie kann Burnout entstehen? Häufig ist Burnout die Folge langanhaltender beruflicher Belastung. Risikofaktoren, wie zunehmende Arbeitsverdichtung und Zeitdruck oder eine ineffektive Arbeitsorganisation. Demographische Aspekte können ebenfalls zur Entstehung beitragen. Weiterhin können unklar geregelte Hierarchien, mangelhafte Kommunikation und fehlende Unterstützung von Führungskräften am Arbeitsplatz Auslöser für einen Burnout sein. 

Bei der Entstehung eines Burnouts kann allerdings nicht nur die berufliche Komponente einbezogen werden. Ebenfalls spielt privater Stress auch eine große Rolle spielen. So etwa familiäre Belastungen, wie Kindererziehung, Pflegefälle oder eigene Erkrankungen. Doch nicht jeder geht gleich gut mit den beruflichen wie privaten Belastungen um. Die individuelle Widerstandskraft (Resilienz) und Stresstoleranz ist hierbei ebenfalls zu beachten. Ein Burnout ist ein schleichender Prozess und kann eine verzögerte Reaktion auf verschiedene (chronische) Stressereignisse sein.

Einflüsse der Corona-Krise auf die mentale Gesundheit

Während der Corona-Krise haben Krankenkassen einen Anstieg der Krankschreibungen aufgrund psychischer Erkrankungen verzeichnet. Doch dieser Trend zeichnet sich nicht erst seit der Corona-Pandemie ab. Seit mehreren Jahren ist ein Anstieg psychischer Erkrankungen zu beobachten.

So ist laut Statista in den Jahren 2013 bis 2019 der Anteil der psychischen Erkrankungen von ca. 14% auf 17% gestiegen. Ein Trend also, der schon vor Jahren begonnen hat voranzuschreiten. Rund 17 Prozent aller Fehltage gehen also auf Erkrankungen der Psyche zurück (siehe Grafik). Besondere Brisanz erhalten psychische Erkrankungen auch durch ihre Krankheitsdauer, die mit durchschnittlich 36 Tagen dreimal so hoch ist wie bei anderen Erkrankungen mit zwölf Tagen. Dabei sind sämtliche Altersgruppen der Erwerbstätigen betroffen.

Es wird vermutet, dass Corona nun noch verstärkt dazu beitrage, dass die Zahlen gerade bei psychischen Erkrankungen ansteigen. Aber ist das ein Wunder? Seit Monaten sind die Begriffe Homeoffice Arbeit, Homeschooling und Online Meetings nicht mehr wegzudenken. Aber auch vor allem Angestellte in den sogenannten systemrelevanten Berufen, wie im Gesundheitswesen und der Pflege, haben große Lasten zu tragen. Aber was macht das mit der Psyche? Wir befinden uns allesamt in einer globalen Ausnahmesituation, ist es da nicht normal überfordert mit der Situation zu sein? Das sind Fragen, die sich viele Arbeitnehmer:innen jetzt stellen.

Die Grätsche zwischen Privatem und Arbeit. Alles unter einen Hut zu bekommen, kann für viele erstmal überlastend sein. All das kann man natürlich leisten, aber in Zeiten, die für jeden neu sind, ist es manchmal schwer einzuschätzen, was das mit der Psyche anstellt. Beanspruchungen des täglichen Lebens können auf einmal zur Belastung werden. Die große Verunsicherung, die das Virus mit sich bringt, dauert weiterhin an. Aus der Psychotherapieforschung ist bekannt, dass je länger Krisen, Konflikte und lebensgefährdende Ereignisse dauern, desto eher sind die psychischen Widerstands- und Regenerationskräfte (Resilienz) überfordert und es kann zu psychischen Erkrankungen kommen.

Kennzahlen im Auge behalten

Die Deutsche Psychotherapeutenvereinigung (DPtV) hat den Report Psychothera­pie 2020 vorgelegt. Laut des Reports belaufen sich die direkten Kosten zur Behandlung psychischer Erkrankun­gen in der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) jährlich auf 44 Milliarden Euro. So seien laut des Berichts Psychische Erkrankungen die häu­figste Ursache für eine frühzeitige Berentung. Eine stationäre Behandlung ist fast 13-mal so teuer wie die ambulante Psychotherapie. 

Die Abwesenheiten kosten auch Unternehmen jährlich viel Geld. So kann bei Krankschreibungen genau belegt werden welche Kosten dies für das Unternehmen verursacht. Anders ist es jedoch bei dem sogenannten Präsentismus, der ebenfalls eine Ursache für erhebliche Kosten und zukünftige Arbeitsunfähigkeiten ist. In Deutschland und Europa wird unter Präsentismus vorrangig das Verhalten von Mitarbeitern verstanden, trotz Krankheit, die ein Fehlen legitimiert hätte, zur Arbeit zu gehen.

Die Ergebnisse des DAK-Gesundheitsreports 2005 zeigen, dass 56 Prozent der Befragten große Bedenken haben, wegen einer psychischen Erkrankung nicht am Arbeitsplatz zu erscheinen. Nur 20 Prozent waren hier der Auffassung, dass eine psychische Erkrankung als Ursache für das Fehlen am Arbeitsplatz genauso akzeptiert wird wie eine körperliche Erkrankung. Ein möglicher Grund ist laut des Berichts die häufig eingeschränkte oder fehlende Akzeptanz von psychischen Erkrankungen im Umfeld der Betroffenen.

Was können Arbeitgeber:innen tun um die psychische Gesundheit ihrer Belegschaft zu stärken?

In Zeiten, in denen die Arbeitskomplexität und der Zeitdruck weiter zunehmen, wird Stressprävention zur Schlüsselkompetenz von Unternehmen. Es geht also auch um Enttabuisierung psychischer Erkrankungen. Um also die psychische Gesundheit der Betroffenen zu stärken muss ein offener aber stets respektvoller Umgang mit dem Thema gepflegt werden.

Deshalb gewinnen Prävention und die Förderung der psychischen Gesundheit als Teil eines nachhaltigen betrieblichen Managements zunehmend an Bedeutung, denn die Gesundheit der Beschäftigten trägt maßgeblich zum wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen bei.

Auf dem Markt der Betrieblichen Gesundheitsförderung gibt es schon viele Maßnahmen für Beschäftigte, wie zum Beispiel Burnout-Prävention, Stressmanagement Workshops sowie zahlreiche Gesundheitsapps.

Doch müssen langfristig erfolgreiche Maßnahmen auf zwei Ebenen angesiedelt werden und nicht nur die Mitarbeitenden ansprechen. So müssen also auch Führungskräfte lernen, wie sie die Belastungen und Stress der Mitarbeitenden reduzieren können. Es gilt, Stressanzeichen bei sich selber und bei den Mitarbeitenden frühzeitig wahrzunehmen und zu wissen, wie man darauf reagieren kann. Dies kann mit einer umfassenden Kennzahlenanalyse, Mitarbeiterbefragungen sowie einer psychischen Gefährdungsbeurteilung erhoben werden und so als Unternehmer:in rechtzeitig reagieren. Weiterhin sei es wichtig Mitarbeiter:innengesundheit auch als Unternehmenskultur zu verstehen.

Welche Möglichkeiten bietet Saneware um die psychische Gesundheit zu fördern?

Die Fehlzeiten-Analyse ist ein wichtiges Instrument des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. Denn, wer die Ursachen für die Fehlzeiten in seinem Unternehmen kennt, kann durch entsprechende Maßnahmen systematisch für die Gesundheit seiner Mitarbeiter sorgen.

Mit dem Produkt „Saneware -BGM“ bieten wir Ihnen eine browserbasierte, smarte und moderne Lösung zur Umsetzung des Betrieblichen Gesundheitsmanagements in Ihrem Unternehmen an.

Wenn Sie wissen wollen, wie Sie und Ihre Mitarbeitenden auch in Krisenzeiten widerstandfähig und mental gesund bleiben, dann besuchen Sie unsere Online Healthdays 2021 powered by TK und seien Sie Teil von hochwertigen Fachvorträgen. Am ersten Tag gibt es viele Tipps und Inspirationen zum Thema Resilienz und am zweiten Tag profitieren alle Gründer:innen und die, die es werden wollen. Fragen zum Thema Existenzsicherung und Gründung werden von unseren Experten beantwortet.

Bei Fragen rund um das Thema BGM, von der Beratung bis zur Implementierung stehen unsere Fachexperten Ihnen gerne zur Verfügung.

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