BEM in Zahlen: Was Statistiken über Krankheitsursachen und Wiedereingliederung verraten
Das Betriebliche Eingliederungsmanagement ist gemäß § 167 Abs. 2 SGB IX vorgeschrieben, um den Arbeitsplatz von Arbeitnehmenden auch trotz längerer Krankheit zu sichern. Aber ist das wirklich notwendig? Wir werfen einen Blick auf Krankheits- und BEM-Statistiken.
Krankheit kostete Betriebe 2023 fast 221 Milliarden Euro
2024 waren Mitarbeitende im Durchschnitt 14,8 Tage krankgeschrieben. 2023 sogar 15,1 (Quelle: destatis). Beides klingt zunächst nicht viel. Und doch: Rechnet man alles zusammen, ergibt sich eine beträchtliche Summe. 2023 hat die Wirtschaft allein in Deutschland dadurch rund 221 Milliarden Euro Wertschöpfung ungenutzt gelassen (Quelle: Statista).
Das zeigt eindrucksvoll, wie viel Potenzial im Gesundheitsmanagement steckt: Die Krankheitstage der eigenen Mitarbeitenden zu reduzieren, kann erheblich zum Unternehmenserfolg beitragen.
Was sind die häufigsten Krankheiten unter Mitarbeitenden?
Die DAK-Gesundheit untersucht im Gesundheitsreport regelmäßig die Krankenstände ihrer Mitglieder. Mit 19,4 % der AU-Tage an der Spitze: Atemwegserkrankungen. Mit durchschnittlich 5,7 Tagen AU-Länge sind diese Erkrankungen jedoch auch schnell wieder vorbei. Laut Wissenschaftlichem Institut der AOK (WIdO) machen Atemwegserkrankungen gerade einmal 1 % der Langzeiterkrankungen aus. Im Hinblick auf das Betriebliche Eingliederungsmanagement sind sie also zu vernachlässigen.
Deutlich länger dauern die Krankheiten auf Platz zwei und drei der häufigsten Erkrankungen: Beschwerden im Muskel-Skelett-System (17,8 %) sowie psychische Erkrankungen (17,4 %).
Die Anzahl der AU-Tage verteilt sich vor allem auf die drei häufigsten Erkrankungen: Atemwegserkrankungen, Beschwerden mit dem Muskel-Skelett-System sowie psychische Erkrankungen.
Psychische Erkrankungen dauern am längsten
Der DAK-Gesundheitsreportzeigt: Psychische Erkrankungen dauern mit durchschnittlich 32,9 Tagen pro Krankschreibung am längsten – noch deutlich länger als Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems mit durchschnittlich 13,8 Tagen. Damit machen psychische Erkrankungen insgesamt 17,4 % aller Krankheitstage aus. Sie machen mit 5,1 % zwar nur eine kleine Fallzahl aus – aber wenn jemand erkrankt, dann deutlich länger als bei anderen Krankheiten.
Gleichzeitig zeigt sich: Psychische Erkrankungen sind keine Frage des Alters – die Dauer der Krankschreibung bedingt durch psychische Erkrankungen jedoch schon. Ältere Mitarbeitende sind laut DAK-Psychreport 2025 deutlich länger erkrankt. Das kann zur Folge haben, dass bei einer psychischen Erkrankung erfahrene Mitarbeitende mit viel Expertise für lange Zeit ausfallen.
Hohe Fallzahlen in allen Altersklassen, aber längere Krankheitsdauer mit steigendem Alter: Psychische Erkrankungen belasten vor allem ältere Mitarbeitende über längere Zeit und lösen dadurch BEM-Prozesse aus.
Was bedeutet das für das betriebliche Eingliederungsmanagement?
Die Zahl der Krankheitstage durch psychische Erkrankungen steigt seit Jahren. Der DAK-Psychreport 2024 hat gezeigt, dass die Zahl der Fehltage aufgrund von psychischen Erkrankungen im Zeitraum von 2013 bis 2023 um 52 % gestiegen ist. Dadurch spielt die psychische Gesundheit der Mitarbeitenden auch im Betrieblichen Eingliederungsmanagement eine wachsende Rolle.
Das BEM-Team hat die Aufgabe, Mitarbeitende mit psychischen Erkrankungen den Wiedereinstieg zu erleichtern sowie erneute Krankheiten und Rückfälle zu verhindern. Notwendige Maßnahmen können unter anderem Reduktion der Wochenstunden, Versetzung oder Umstrukturierungen innerhalb der Abteilung sein.
Noch besser als bei bereits vorhandenen Erkrankungen zu reagieren ist es jedoch, präventiv zu handeln. Das Betriebliche Gesundheitsmanagement bietet Werkzeuge, berufsbedingten Stress und psychische Belastungen frühzeitig zu erkennen und positiv auf die psychische Gesundheit und die Resilienz der Mitarbeitenden einzuwirken.
Passende BGM-Maßnahmen finden
Geeignete BGM-Maßnahmen zur Steigerung der psychischen und physischen Gesundheit finden Sie in unserer BGM-Toolbox.
Hilft BEM, die Krankentage zu reduzieren?
Das Betriebliche Eingliederungsmanagement kann helfen, betriebliche Ursachen für hohe Krankheitstage aufzudecken und abzuschalten – für einzelne Mitarbeitende aber mitunter auch für das ganze Team.
Der iga.Report 24 nannte dazu bereits 2013 folgende Erfolgszahlen:
- 36 % der Befragten berichten von einer Reduzierung des Krankenstandes
- 32 % berichten von einem besseren Arbeitsklima
- 30 % berichten von einem höheren Engagement der Mitarbeitenden
- 18 % berichten von einer Reduzierung der krankheitsbedingten Kündigungen
- 88 % der Befragten, die eine Kosten-Nutzen-Analyse durchgeführt haben, schätzen den Nutzen größer als die Kosten
Gleichzeitig betont der iga.Report auch: Je größer der Betrieb, desto höher die Wiedereingliederungsquote.
Fazit: Nutzen Sie das Potenzial von BEM und BGM
Die Zahlen zeigen deutlich: BGM und BEM sind nicht nur sinnvoll, sondern notwendig. Mitarbeitende haben den Bedarf, dass sich arbeitgebende Unternehmen um ihre Gesundheit kümmern – und Unternehmen haben Bedarf an gesunden und leistungsfähigen Mitarbeitenden.
Laut verschiedenen Statistiken sind psychische Erkrankungen die Erkrankungen mit der längsten Ausfallzeit. Dadurch lösen sie deutlich öfter ein BEM-Verfahren aus als zum Beispiel Atemwegserkrankungen, nach denen Mitarbeitende im Schnitt nach 5,7 Tagen Krankheit zurück im Betrieb sind.
Ja. Die Pflicht besteht unabhängig von der Diagnose. Gerade bei psychischen Erkrankungen spielt das BEM eine wichtige Rolle, um den Wiedereinstieg behutsam zu gestalten und Rückfälle zu vermeiden.
Das Betriebliche Eingliederungsmanagement kann helfen, die Anzahl der Krankheitstage zu reduzieren und die Zahl der krankheitsbedingten Kündigungen zu senken.
Laut BAuA-Faktenblatt 52 erhielten 52 % der BEM-berechtigten Beschäftigten 2024 ein Angebot. 2018 waren es nur 40 %. 67 % nahmen es an. Besonders häufig bieten größere, gesundheitsorientierte Betriebe ein BEM an. Gesetzlich sind jedoch alle Unternehmern verpflichtet das BEM anzubieten.
Das Betriebliche Eingliederungsmanagement kann helfen, die Zahl der Krankentage im Unternehmen zu reduzieren und dadurch die Produktivität zu erhöhen. Der Einsatz einer BEM-Software macht das BEM zudem effizienter und zielführender, wodurch der Aufwand sinken und der Nutzen weiter steigen kann.